Israel braucht die Freundschaft zur Türkei!

Von Georges M. Teitler, 2. September 2011

Der verstorbene israelische Aussenminister Abba Ebban prӓgte einmal das Wort: „Die Araber verpassen keine Gelegenheit um eine Gelegenheit zu verpassen“. Heute trӓffe dies wohl auf seine eigenen Landsleute viel mehr zu!

 

Die erste Gaza-Flotten-Affӓre war schon immer eine ‚heikle Sache‘. Den Goldberg-Bericht konnte man noch wegen ‚Einseitigkeit‘ abtun (obwohl die Einseitigkeit nur durch die Weigerung Israels entstand, sich an den Untersuchen zu beteiligen). Aber die Welt und die UNO gaben Israel eine zweite Chance mit dem jetzigen Palmer-Bericht, der viel milder ausfiehl und der beide, die Türkei und Israel tadelt.

 

Inzwischen hat sich die Konstellation in Nahost vӧllig verӓndert. Konnte man sich noch auf den Standpunt stellen, Israel kӧnne eine Verӓrgerung der Türkeit riskieren (dem ich zwar nicht zustimme, denn schon damals gingen grosse Waffenauftrӓge der Türkei an Israel verloren, ihr Fluggebiet wurde eingeengt und die Israelis wurden ihres liebsten Feriengebietes um Antalya in der Südtürkei beraubt u.v.m.), so hat sich in der post-„Arabischen Frühlings“-Zeit die Lage radikal neu gestaltet. Das Verhӓltnis mit Aegypten hat sich sehr abgekühlt, was mit Syrien passieren wird, ӓndert sich tӓglich, die Atombomben im Iran gehen je lӓnger je mehr ihrer Verwendungsfӓhigkeit entgegen und man mache sich da keine grossen Hoffnungen: dort wo Despoten in Afrika und im Mittleren Osten jetzt abgelӧst werden, folgen keine Israel-Freunde nach!

 

Israel braucht die Freundschaft zur Türkeit Heute mehr denn je! Es kann bald zur ‚life-line‘ werden, denn auch in bezug auf den latenten Feind und Atombomben-Bauer Iran kann hӧchstens die Türkei noch mildernd zu Gunsten von Israel wirken. Scheinbar sind Netanjahu und Barak, bereit, den ihnen von der UNO mittels dem Palmer-Berichtes zugeworfenen Rettungsring zu ergreiffen, ihren Stolz einmal zurück zu stellen und die geforderte, relativ milde Entschuldigung der Türkei gegenüber auszusprechen. Aber der alte Haudegen Liebermann wehrt sich dagegen konsequent und ultimativ. Lieber liesse er den Staat Israel ein zweites Mal am Berg Masada einen Massen-Selbstmord zu verüben, als ein Wӧrtchen der Entschuldigung gegenüber der Türkei auszusprechen.

 

Es gibt in Israel „Kreise“, die die politische Existenz des Staates ablehnen bzw. verneinen, weil sie der Meinung sind, dieser kӧnne nur durch ein Erscheinen des Messias geschaffen werden. Man kann sich zwar fragen, ob nach den sechs Millionen Holocaust-Opfern nicht auch eine ‚gӧttliche Hand‘ mitgespielt habe, dass im November 1947 die UNO die Schaffung des Staates Israel beschloss. Dessen ungeachtet, kommen wir nun auf den Punkt zu, wo man sich ernsthaft fragen muss, ob die Partei von Liebermann und Konsorten nicht „Wӧlfe im Schafspelz“ sind: ob sie sich nicht einerseits an einer Regierung beteiligen, obwohl sie andrerseits eigentlich dessen Existenz an allen Ecken und Enden torpedieren?

 

Müsste man sich fragen, warum Liebermann denn noch in der Regierung sitzt und warum er nicht schon herausgeworfen wurde – ja vielleicht sogar des Landesverrates angeklagt sein sollte, sind doch viele seiner Entschlüsse so kontraproduktiv dem Wohlergehen Israels gegenüber. Die Antwort: Weil er einer Partei angehӧrt, ohne die Netanjahu keine Mehrheit zustande bringt. Dann frӓgt sich nur, ob man bereit ist, mit dem Widersacher ins Bett zu gehen oder nicht? In Deutschland gibt es genügend Politiker, die lieber auf ein Regierungsmandat verzichten, als mit einer extrem-links oder extrem-rechts Partei zusammen zu spannen. In Israel scheinbar nicht. Aber bei Netanjahu gilt nur, die nӓchste Nacht zu überleben – sonst nichts. „Charakter zu haben“ existiert nicht in seinem Vokabular!

 

Es ist kein Wunder, dass immer mehr Diaspora-Juden Zweifel an dem Benehmen Israels haben, dass immer mehr Leute ihre Spenden dorthin verweigern, dass man sich heute schon in Vortrӓgen und ӧffentlichen Diskussionen, durch die seriӧsesten Organisationen veranlasst, Gedanken über eine „Post-Israel-Zeit“ macht. In den 50er und 60er Jahren wӓre man dafür als ‚meschugge‘ ins Irrenhaus gesperrt worden. Der KKL  sollte eigentlich einen ‚anti-Luach‘ heraus geben, wo die Zeit berechnet wird, wie lange es noch bis zum nӓchsten Masada dauert. Vielleicht nicht figurativ – aber im gleichen Sinne.

 

Georges M. Teitler,  war u.a. Präsident in der jüdischen Gemeinde Lindfield, Sydney, und Vorstandsmitglied des Keren Hajessod.



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3 Kommentare


Dayanara - 12.09.2011

Short, sweet, to the point, FREE-exactly as infroamtion should be!



Onur - 11.09.2011

Hoffentlich fallen weder die Türken noch die Israelis :-)



Marion Eve Stöckli - 04.09.2011

Mit grosser Sorge muss ich dem Autor leider in allen Punkten zustimmen: der arabische Frühling wird immer mehr zum Herbst der Israelis. Und wenn immer das Volk Israel in biblischer Zeit zu überheblich wurde, folgte der Fall sehr schnell und sehr tief!



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