Zurück an den Verhandlungstisch
Am 13. September wird die diesjährige Uno-Generalversammlung eröffnet. Bis jetzt ist unklar, ob und was für ein Antrag in Sachen Palästina vorliegt. Offensichtlich ist der von Präsident Mahmoud Abbas und seinem Ministerpräsidenten Salam Fayyad letztes Jahr angekündigte Plan, durch die Uno einen Staat Palästina ausrufen zu lassen, in einer Sackgasse gelandet. Dabei spielen formale Hürden eine Rolle. Mit ein Grund, warum den Palästinensern das konkrete Vorgehen so grosse Schwierigkeiten macht. Kommt dazu, dass die USA als Vetomacht im Sicherheitsrat keine einseitigen Festlegungen akzeptieren wird. Und ohne Sicherheitsrat fehlt jede Verbindlichkeit.
Gibt es für die Palästinenser einen Ausweg aus dieser Sackgasse? Und kann die Schweiz dabei eine konstruktive Rolle spielen? Meiner Meinung nach ja. Der Ausweg heisst: Sofortige Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen mit einer konkreten Agenda. Nur direkte Verhandlungen, die auf Kompromissbereitschaft basieren, können zu einem real existierenden Staat Palästina führen. Symbolhandlungen in New York stärken hingegen die radikalen Kräfte und sind Wasser auf die Mühlen der israelischen wie palästinensischen Gegner einer Zweistaatenlösung. Die Gesellschaft Schweiz-Israel (GSI) hat den Bundesrat darum bereits im Mai aufgefordert, sich gegenüber der Abbas-Regierung dafür einzusetzen, dass die Palästinenser an den Verhandlungstisch zurückkehren. Wir haben diese Forderung mit der bisherigen Position der Schweiz zur ausgehandelten Zweistaatenlösung und dem Einsatz für die 2003 lancierte Genfer Initiative verknüpft. Und wir haben den Bundesrat darauf aufmerksam gemacht, dass dieser Einsatz unvereinbar ist mit einem «Ja» zu einem einseitig erklärten Staat Palästina.
Die GSI hat bekanntlich die Genfer Initiative mit ihren heute detailliert vorliegenden Vorschlägen zu Grenzziehung und Landabtausch, zu Sicherheit, zu Jerusalem und zur Flüchtlingsthematik von Beginn weg unterstützt. Diese Kompromisse werden nicht nur von der US-Regierung und den EU-Staaten ernstgenommen, sondern auch in Israel. Ein Beispiel: Im Juli fand in der Knesset eine Diskussion mit Mitgliedern verschiedenster Parteien statt. Wer darum – wie kürzlich Arnold Hottinger - die Genfer Initiative tot sagt, hat seine spezielle Agenda. Die GSI-Argumentation für eine von der Schweiz konsequent weitergeführte Unterstützung der Zweistaatenlösung wird vom Bundesrat geteilt. Dies bestätigte uns Bundespräsidentin Calmy-Rey am Treffen mit den Präsidien der GSI, des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds und der Plattform der Liberalen Juden der Schweiz. Auch das Parlament stützt diese Position mehrheitlich, wie die Stellungnahme von Ständerat und dem Präsidenten der Aussenpolitischen Kommission Eugen David im Anschluss an die Kommissionssitzung vom vergangenen Dienstag zeigt. Damit ist klar: «Nein» zu einseitigen Aktionen – «Ja» zu konstruktiver Politik. Hinter den Uno-Kulissen wird intensiv daran gearbeitet, Israeli und Palästinenser zurück an den Verhandlungstisch zu bringen. Speziell die USA und EU suchen nach dem Weg aus der Sackgasse. Auch wenn die Schweiz dabei nicht beteiligt ist: Ein unterstützendes Signal dafür ist angebracht, auch gegenüber Palästinensern und Israeli.
Vreni Müller-Hemmi ist Zentralpräsidentin der Gesellschaft Schweiz-Israel.
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4 Kommentare
Alexander Scheiner - 04.09.2011
Ihr Artikel trifft sehr gut meine Vorstellungen über Israel. Seit einiger Zeit schon ist es recht schwierig, für die Israelische Regierung mit der Palästinensischen Führung direkte Gespräche zu führen. Jede Seite schiebt der anderen Schuld zu, weil es keine Resultate gibt. An dieser Stelle muss ist sagen, dass bereits anlässlich der Aufnahme Israels in die OECD ein palästinensischer Vertreter der PA intensiv gegen die Aufnahme Israels geworben hat. So benimmt man sich nicht gegenüber dem Land, mit dem man Frieden zu schliessen beabsichtigt. Zudem, in dieser Zeit hat die intensive antiisraelische Kampagne mit politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Boykotten nicht nur nicht nachgelassen, sondern, dies ist meine Wahrnehmung, sich sogar verstärkt. Dazu kommt auch der Judenhass der in der Schweiz, der EU und in den USA dadurch bewusst gefördert wird. Angesichts der zunehmenden Diffamierungen und Boykotten gegen Israel und Bemühungen Israel und Juden zu delegitimieren, bin ich als Schweizerjude in Israel lebend zufrieden, über Israel ohne ständige Palästinensertümelei zu lesen.
Yamin Bollag - 02.09.2011
Die Verhandlungen wurden zu lange torpediert, missachtet und mit Gewalt zum scheitern gebracht. Wie zurück?
Gerhard Meerpohl - 31.08.2011
Keine einseitigen Aktionen fordert Frau Hemmi. Recht so! Also sofort Schluss mit dem Bau von Siedlungen, Mauerbau, Abrissverfügungen, Roadblocks, Schikanen, allem einseitigen Schaffen von Fakten, die rückgängig zu machen schwer ist. Zurück an den Verhandlungstisch? Zurück? Bislang habe ich keinen Verhandlungstisch gesehen, sondern nur den Tisch der anmassenden Bestimmer.
Nicole Burri - 30.08.2011
Frau Müller-Hemmi und die GSI müssen ratlos sein. Sonst hätten sie dieses Papier"Genfer Initiative" aus dem Jahre 2003 nicht aus der Schublade gezogen. Und dies Jahre später! Diese Initiative wurde duch die Arroganz des Siegers abgewürgt. Gerade mal 17 Mitglieder von 120 der Knesset haben im Jahr 2003 diese Initiative für annehmbar befunden. Ich bin sicher, dass dies heute mit Liebermann und Co nicht anders wäre. Mir ist nicht bekannt, Seit wann die GSI Initiative gutgefunden hat. Die GSI ist damit beschäftigt,Israelkritik als antisemitisch zu orten. Viele Schweizer wollen endlich Taten sehen. Wir haben genug von Scheinverhandlungen mit "schmerzhaften Zugeständnissen" und gleichzeitiger anschliessender Ankündigung von neuen Siedlungsbauten , Landdiebstahl und Vertreibungen.Und geben sie jetzt nicht der angeblich einseitigen Berichterstattung in der Schweiz schuld. Dank des Internets kann ich täglich auf Haaretz lesen, was für grässliche Folgen dieser Krieg auf beiden Seiten hat. Dank des Internets sehe ich auch. dass Juden in der Schweiz und in Israel sich offen für Gerechtigkeit und Menschlichkeit einsetzen. Leider sind sind sie eine Minderheit.
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