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November 2011, 11. Jahrgang, Ausgabe 11 Ausgabe: Nr. 11 » 4. November 2011

Strahlkraft einer vergangenen Idylle

Von Andreas Schneitter, 4. November 2011
Der Mythos Al-Andalus erzählt von der toleranten Koexistenz zwischen Juden und Muslimen, und wie jeder Mythos strahlt er heller als die historische Wirklichkeit. Tatsache ist: Jüdische und muslimische Gelehrte schöpften im maurischen Spanien des Hochmittelalters aus denselben kulturellen Ressourcen und gaben der Auseinandersetzung zwischen kritischem Denken und offenbarter Religion entscheidende Impulse. Al-Andalus verdanken wir die Übermittlung der antiken
Philosophie nach Europa – Modelle für interreligiöse Beziehungen sucht man jedoch besser woanders.
Vor 1300 Jahren begann ein Abschnitt der europäischen Geschichte, der in der Retrospektive golden schimmert. Im April 711 n. d. Z. landete der arabische Heerführer Tariq ibn Ziyad nach seinem Feldzug durch Nordafrika in Gibraltar, wenige Wochen später besiegte er das Heer der... Mehr...

Die Beziehung der Juden zu Christen und Muslimen

Von Oberrabbiner Mordechai Piron, 4. November 2011
Die Beziehungen zwischen Juden und Muslimen waren zu früheren Zeiten weitaus besser als zur gleichen Zeit die Beziehungen der Juden zu ihren christlichen Mitmenschen.
Sowohl Juden als auch Christen, Buddhisten und Zoroastren waren zu Zeiten der islamischen Expansion Untertanen der niedrigsten Klasse des Islam. Das «Umar-Abkommen», auch «Umar-Vertrag» genannt, gewährte ihnen zwar freie Ausübung der Gesetze und Vorschriften ihrer... Mehr...

Idealisierte Koexistenz

Von Emile Schrijver, 4. November 2011
Wie die Juden unter dem Islam des mittelalterlichen Spaniens lebten.
1948 führte der in Brasilien geborene spanische Historiker Américo Castro den Begriff der «Convivencia» ein, um die Koexistenz von christlichen, muslimischen und jüdischen Gemeinden im mittelalterlichen Spanien zu beschrieben. Castros viel umstrittene These war, dass... Mehr...

Arabischer Herbst in Manhattan

Von Andreas Mink, 4. November 2011
Mit der Wiedereröffnung des «Islamischen Flügels» nach acht Jahren Renovierung gibt das Metropolitan Museum of Art Besuchern aus aller Welt Gelegenheit, den kulturellen Reichtum Nordafrikas sowie des Vorderen und Mittleren Orients neu zu entdecken.

«Wer vor der Arbeit plant, erspart sich Reue.» Dieser kluge Satz steht am Rande einer weissen Keramikplatte aus dem zehnten Jahrhundert, die seit dem 1. November im New Yorker Metropolitan Museum of Art zu sehen ist. Das rare Stück ist nur eines von 1200 Exponaten im nach... Mehr...

«Vernunft des Herzens»

Von Katja Behling, 4. November 2011
Muhammad Asad war einer der einflussreichsten muslimischen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts. Geboren wurde der Autor, Aktivist und Diplomat als Leopold Weiss im galizischen Lemberg. Als Gelehrter prägte er mit seiner Koranübersetzung die Sicht auf den Islam und das Verständnis zwischen den Kulturen.
Verlag Simon & Schuster seine Autobiografie. Das war 1954, und die Autobiografie ging um die Welt. Der 54-jährige Diplomat schrieb darin über seine abenteuerlichen Erlebnisse in der Wüste Arabiens, über komplexe politische Verhältnisse und das Freiheitsstreben der... Mehr...

Davidstern und Halbmond

4. November 2011
Kopfsteuern, spitze Hüte und statt Pferden Esel als Reittiere – dies sind nur einige der Auflagen für Juden im muslimischen Spanien, das als «goldenes Zeitalter der Toleranz» gilt. Doch wie Oberrabbiner Mordechai Piron in seinem Beitrag über «Die Beziehung der... Mehr...

Zwischen Mythos und Schicksal

Von Regula Heusser-Markun, 4. November 2011
Die Juden Mittelasiens pflegten ihre Rituale und Traditionen über Jahrhunderte. Selbst als viele von ihnen zum Islam zwangsbekehrt wurden, praktizierten sie als «Juden-Muslime» ihren angestammten Glauben im Verborgenen weiter.
Aus dem in Hebräisch abgefassten Brief von einem Binjamin Set aus Kizil-Gar, adressiert an die Juden der weissrussischen Stadt Schklow, zitiert der 1932 in Moskau geborene und 1977 nach Israel emigrierte Feliks Kandel in seinen 1994 auch in Russland veröffentlichten Skizzen zur Geschichte... Mehr...

Zur Zukunft der Islamwissenschaft

Von Navid Kermani, 4. November 2011
Seit dem 19. Jahrhundert unter religiös-theologischen Vorzeichen betrieben, hat sich die Islamwissenschaft zu einem Ungetüm entwickelt, das an der Komplexität seiner Gegenstände zu scheitern droht. Das Resultat ist ein Verlust an Ehrgeiz und Bedeutung des Fachs. Dies just zu einem Augenblick, in dem westliche Gesellschaften dringend einer revitalisierten Islamwissenschaft bedürfen.
Das Fach, das sich der Erforschung der islamischen Welt widmet, ist ein Ungetüm. Das Spektrum der Themen, Disziplinen, Methoden und historischen Epochen, das abzudecken sich vornimmt, ist um vieles zu weit, um sinnvoll in einem einzigen Zusammenhang erforscht und gelehrt zu werden. Die... Mehr...
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