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USA

Die Rezession beschädigt Amerikas Haushalte – und Obamas Chancen

13. Juni 2012
Laut neuen Zahlen der US-Notenbank haben Amerikas Haushalte von 2007 bis 2010 durchschnittlich 38 Prozent ihrer Besitzstände verloren. Dies könnte die schwindende Beliebtheit Barack Obamas bei weissen Arbeitern erklären.

Die Zahlen sind ein Schock: Die US-Notenbank (Fed) hat am Montag neue Daten über die Besitzentwicklung amerikanischer Haushalte vorgelegt. Demnach sind die durchschnittlichen Guthaben inklusive Wohneigentum von 2007 bis 2010 von 126.400 auf 77.300 Dollar gefallen. Inflationsbereinigt entspricht dies dem Wert von 1992. Damit hat die «grosse Rezession» die amerikanische Durchschnittsfamilie um fast 20 Jahre zurückgeworfen. Neben Verlusten bei an den Börsen investierten Rentenversicherungen geht diese dramatische Entwicklung auf den Kollaps der Immobilienpreise zurück. Diese haben bislang immer noch keinen Tiefpunkt erreicht. Bereits im vergangenen Jahr hat die Fed Zahlen veröffentlicht, laut denen Schwarze und Bürger lateinamerikanischer Herkunft von sinkenden Immobilienpreisen besonders stark betroffen sind, da Eigenheime häufig die einzige Investition dieser Familien darstellen.

 

Die neuen Daten zeigen zudem ein inflationsbereinigtes Absinken der durchschnittlichen Jahreseinkommen zwischen 2007 und 2010 von 49.6000 auf 45.800 Dollar. Gleichzeitig ist in diesem Zeitraum der Anteil von Familien mit Sparguthaben von 56.4 auf 52 Prozent gesunken. Viele Amerikaner haben jedoch Schulden auf Kreditkarten abgebaut. Dafür ist der Anteil von Bürgern mit Schulden infolge von Studiendarlehen im genannten Zeitraum von 15,2 auf 19,2 angestiegen.

 

Die genannten Verluste betreffen vorwiegend die Bürger in den mittleren drei Fünfteln der Gesellschaft. Arme und Wohlhabende sind von der Rezession deutlich weniger betroffen worden, so die Fed. In diesem Zusammenhang heben viele Beobachter die ohnehin von langfristigen Trends des Strukturwandels besonders betroffenen, männlichen und weissen Arbeiter hervor, die in der unteren Mitte der Vermögens- und Einkommensskala angesiedelt sind. Diese Kohorte zählt in den alten Industriestaaten im Norden und Nordosten der USA zu dem Kern der demokratischen Partei, driftet aber seit der Reagan-Ära infolge konservativer Haltungen in ethisch-religiösen Fragen und Ressentiments gegenüber urbanen Eliten, Farbigen und Homosexuellen allmählich in das konservative Lager.

 

Dieser Trend hat sich letzten Erhebungen zufolge seit der Wahl von Barack Obama deutlich beschleunigt. Gegenüber 40 Prozent im Jahr 2008 würden heute nur noch 34 Prozent der weissen Männer ohne Studienabschluss für den Demokraten stimmen. Bei Weissen mit abgeschlossenem Universitätsabschluss hat Obama lediglich 1,5 Prozent eingebüsst. Obwohl der Anteil weisser Bürger an der Gesamtbevölkerung stetig abnimmt, stellen diese Zahlen ein Alarmsignal für Obama dar: Um Mitt Romney im November zu schlagen, muss er traditionelle Hochburgen seiner Partei wie die Industriestaaten Michigan, Pennsylvania und Wisconsin mit ihren hohen Anteilen weisser Arbeiter gewinnen. Auch der enorm wichtige «Schlachtfeld-Staat» Ohio weist ein derartiges Populationsprofil auf.

 

Die neuen Vermögensdaten sprechen dafür, dass die Abneigung dieser Wähler gegen Obama nicht allein auf allerlei Ressentiments zurückgeht, sondern ganz handfeste, ökonomische Ursachen hat. Wer so herbe Verluste an Besitz und Zukunftsaussichten hinnehmen musste, dürfte geneigt sein, Mitt Romney für die nächsten vier Jahre eine Chance zu geben.

[AM]





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