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USA

Trendwende in New York

13. Juni 2012
Erstmals seit Jahrzehnten nimmt die Zahl jüdischer Bürger in der Metropole New York wieder zu. Dafür verantwortlich ist das Wachstum orthodoxer Gemeinden.

 

Wohlhabend, gebildet und liberal – so sieht die gängige Vorstellung der New Yorker Juden aus. Eine neue Erhebung des Gemeindeverbandes UJA-Federation of New York zeigt dagegen eine enorm heterogene Gemeinschaft, deren Anteil an armen und konservativen Mitgliedern im letzten Jahrzehnt sprunghaft angestiegen ist. Deshalb hat aber auch die jüdische Bevölkerung des Grossraums New York erstmals seit vielen Jahren wieder zugenommen: Lebten 2002 rund 1,41 Millionen Juden in den fünf Bezirken der Stadt, sowie den Vororten auf Long Island und nördlich der Bronx, so stellt die UJA-Federation nun 1,54 jüdische Bürger fest.

 

In New York City selbst leben nun wieder knapp 1,1 Millionen Juden. 40 Prozent von ihnen gehören der orthoxen Strömung an und sind vorwiegend in den hasidischen Nachbarschaften von Brooklyn zuhause, dem Stadtteil mit der grössten jüdischen Bevölkerung von etwa 550.000 Menschen. Die Anteil der Orthodoxen ist seit 2002 von 33 auf 40 Prozent emporgeschnellt. Dies geht auch darauf zurück, dass im Grossraum New York nun 61 Prozent der Kinder in hasidischen Haushalten aufwachsen, von denen 43 Prozent an der Armutsgrenze leben und auf staatliche, sowie Hilfen der UJA-Federation angewiesen sind. Ein Motiv dieser regelmässigen Studien des Verbandes liegt denn auch darin, die Bedürfnisse der jüdischen Gemeinschaft in und um New York zu erkennen.

 

Das Wachstum der jüdischen Bevölkerung geht jedoch auch auf längere Lebenserwartungen zurück. So ist der Anteil von Senioren mit über 75 Lebensjahren von 153.000 auf fast 200.000 angestiegen, was für eine erstaunliche Verbesserung der Gesundheitsversorgung und/oder für gesündere Lebensweisen spricht. 498.000 gegenüber 432.000 jüdischen New Yorkern sind nun jedoch unter 25 Jahre alt.

 

Neben den Orthodoxen hat allein die Gruppe der nicht religiös Interessierten zugenommen, die nun ein knappes Drittel der jüdischen Bevölkerung stellen. Die konservative und die Reform-Strömung haben derweil je 40.000 Angehörige eingebüsst. Dennoch sind laut der Studie auch die religionsfernen Juden stark an ihrer jüdischen Identität interessiert und nehmen etwa an kulturellen Veranstaltungen mit diesem Hintergrund teil. In diesen Haushalten dürften auch die 12 Prozent Angehöriger leben, die nicht weiss, also etwa afroamerikanischer oder asiatischer Herkunft sind und entweder in jüdische Familien eingeheiratet haben oder adoptiert worden sind.

 

Im Vergleich mit anderen Gemeinden etwa in Philadelphia und vor allem in San Francisco liegt die Zahl der mit Nichtjuden verheirateten New Yorker Juden bei niedrigen 22 Prozent. Allerdings gehören nur 44 Prozent aller Juden in und um die Metropole einer Synagoge an, was deutlich geringer ist als etwa der entsprechende Anteil in Cincinnati von 60 Prozent. Laut der Studie ist das Netzwerk jüdischer Institutionen jedoch in New York als der mit Abstand grössten «jüdischen Stadt» besonders dicht. Dies gilt besonders für jüdische Tagesschulen, die von 63 Prozent der jüdischen Kinder besucht werden. Heranwachsende Orthodoxe stellen hier die ganz überwiegende Mehrheit von 93 Prozent. Der Wachstumstrend der Religiösen und Ultrareligiösen wird der Studie zufolge vorerst ungebrochen anhalten.

[AM]

 


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